Ein Steyrer Original ist im 100. Lebensjahr entschlafen

Nachruf auf Rudolf Meidl Sen. Sen. (.1920)
"Sie haben so wunderschöne schwarze Haare." Selbst einen Tag vor seinem Tod trug "der Meidl", als den ihn in Steyr alle kannten und schätzten, noch ein Kompliment auf den Lippen – zuletzt für seine Krankenschwester, auch wenn es ihm schon Anstrengung kostete.

Am Sonntag, den 8. März, starb Rudolf Meidl senior im 100. Lebensjahr, geprägt von tiefem Glauben, Menschlichkeit, Familienleben und Unternehmertum, und hinterlässt tiefe Spuren. Als Friseurmeister war er ein halbes Jahrhundert in der Steyrer Altstadt aktiv und als Mitglied von 20 Vereinen und Organisationen aus dem sozialen Leben seiner Heimatstadt kaum wegzudenken.

Lebensrettende Ausbildung

Geboren 1920 in Steyr, begann Meidl neben der Handelsschule mit 14 Jahren auch eine Lehre im elterlichen Frisiersalon, den seine Großeltern 1860 als allerersten der Stadt gegründet hatten. 1937 wurde seine spätere Frau Marianne als Lehrling angestellt, gemeinsam arbeiteten beide auch als Theaterfriseure am Steyrer Stadttheater. 1940 wurde Meidl zum Reichsarbeitsdienst, ein Jahr später zum Kriegsdienst eingezogen. Dabei dürfte seine Ausbildung in Stenografie und Maschinschreiben lebensrettend gewesen sein: Den Russlandfeldzug überlebte er von der Schreibstube aus, natürlich auch mit Haareschneiden bei höchsten Vorgesetzten.

1944 wurde das Wohn- und Geschäftshaus in der Engen Gasse bei einem Bombenangriff auf Steyr zerstört. Während eines Fronturlaubs heiratete er im Jänner 1945 seine "Mandi" in Losenstein, zwei Jahre später wurde sein erstes von insgesamt vier Kindern geboren.

1953 wurde der Wiederaufbau des zerbombten Hauses der Familie fertiggestellt. Zum 100-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 1960 strahlte der zukunftsweisende Frisiersalon in neuem Glanz - mit Sauna, Kosmetikinstitut und modernster Einrichtung.

Unermüdlich in der Fortbildung, besuchte Meidl in Paris, New York und anderen Modemetropolen Seminare und Kongresse. Er engagierte sich in der Wirtschaftskammer, beim Steyrer Verschönerungsverein, im Vorstand der Volksbank, im Pfarrkirchenrat und in vielen weiteren Vereinen und Organisationen. Landeshauptmann Josef Ratzenböck überreichte Meidl für das Engagement für seinen Berufsstand das goldene Verdienstzeichen der Republik.

1990 erfolgte die "Hofübergabe" an seinen Sohn Rudolf, der Senior ging mit 70 Jahren in Pension. Endlich blieb Zeit, sein Leben zu genießen: Er ging gern mit seiner Frau in einer Wandergruppe wandern, spielte in einer Kartenrunde und blieb sportlich aktiv beim Ruderverein Steyr 1888, deren Präsident er lange Zeit war.

2010 feierte der Frisiersalon Meidl sein 150-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung, die die lange Zeitspanne dieses Familienbetriebs bewusst machte. Ein Tiefpunkt im Leben des sechsfachen Groß- und vierfachen Urgroßvaters war der Tod seiner Frau Marianne 2014.

Requiem im Juni geplant

Bis kurz vor seinem Tod war Meidl sowohl am Steyrer Stadtplatz als auch in der Marienkirche präsent. Für viele Steyrer unvergessen bleiben auch zu diesem Zeitpunkt noch seine "Tours d’Honneur" im Salon, ein Plauscherl mit dieser und jener Kundin und seine Frage, wie alt man ihn schätze.

Die Beisetzung von Rudolf Meidl senior findet am Dienstag, 17. März, wegen der Corona-Krise im engsten Familienkreis statt. Für den 10. Juni, wenn Meidl seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, plant die Familie ein öffentliches Requiem samt Agape.