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08.01.2020
Nachruf auf Karl Kaltenböck (1927) von OÖNachrichten

Der singende Tierarzt

Die Jugend Karl Kaltenböcks verlief in sicheren, ruhigen Bahnen. Der Vater war Tierarzt in Gallneukirchen, und Karl wuchs mit drei Schwestern auf.

1944 kam er aber mit seiner Einberufung mit dem Zweiten Weltkrieg in Berührung. Die größten Entbehrungen überlebte er "dank meines ausgeprägten Glaubens" in einem amerikanischen Gefangenenlager in Salzburg: Kaum etwas zu essen, vegetierten die Männer 40 Tage lang dahin. Karl Kaltenböck sagte später, in dieser Zeit staunen gelernt zu haben, dass doch alles wieder gut werde. Staunen wurde damals zu seinem Lebensprinzip.

Nach dem Krieg studierte er in Wien Veterinärmedizin und übernahm die Praxis seines Vaters. Seine Frau Gertrude, eine ausgebildete Lehrerin, kannte er schon seit der Kindheit. Sie wurde zur Mutter ihrer acht Kinder, von denen drei Söhne Tierarzt wurden, eine Tochter Ärztin und ein Sohn Arzt. Den Grund dafür vermutet Tochter Gertrude Berger darin, "dass in unserer Familie Naturwissenschaft immer ganz selbstverständlich präsent war". Zeit für die Familie fand Karl wenig, "viel zu wenig", wie er bedauerte. Der riesige Rayon verlangte ihm alles ab, weil der Weg zu seinen Bauern oft beschwerlich war. Aber Karl packte seine Kinder immer wieder ins Auto und ließ sie miterleben, was ihr Vater so machte. "Er war ein super Tierarzt, wir waren ja nicht nur Nachbarn, sondern auch Cousins, wir sind immer bestens miteinander ausgekommen", sagt Fleischer Anton Riepl. Wertschätzende Worte findet auch Angela Mayr aus Alberndorf: "Er war als Tierarzt eine Respektsperson, ein wirklich feiner Mensch, der für jede Kleinigkeit so unendlich dankbar war und den man einfach mögen musste." Viele Jahre seiner Pension verbrachte Kaltenböck mit der Pflege seiner kranken Frau Gertrude, sie diktierte ihm in ihrer letzten Lebensphase noch ein Kochbuch, damit er sich nach ihrem Tod versorgen konnte, und tatsächlich: Karl Kaltenböck lernte, gut zu kochen, was vor allem seine Söhne gern bestätigen. Er besuchte regelmäßig Bewohner des Seniorenheimes "Abendfrieden". Jeden Freitag hielt er dort bis zuletzt Singstunden. Erst kurz vor seinem Tod am 2. Jänner übersiedelte er selbst in dieses Heim. Acht Kinder, 13 Enkel und vier Urenkel trauern um ihn.

Das Begräbnis findet am 11. Jänner um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche Gallneukirchen statt.