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08.10.2019
Nachruf auf Manfred Rotter (1939) von OÖNachrichten

Ein Professor und Gentleman

"Er war für uns Studenten eine Leitfigur und ein unverzichtbarer Dialogpartner".

So charakterisiert der ehemalige Studentenvertreter und VSStÖ-Mann Christian Denkmaier, jetzt Bürgermeister von Neumarkt i. M., den verstorbenen Völkerrechts- und Europarechtsprofessor Manfred Rotter. Dass Rotter jegliche Standesdünkel fremd waren, machte ihn zu einem beliebten Ansprechpartner der Studenten

"Er war ja immer so bescheiden", schildert Witwe Christine ihren Mann, "nicht einmal über seine Krankheit hat er viel gesagt." Seit Februar machte ihm die Lunge massive Beschwerden, drei Monate verbrachte er im Krankenhaus, seine Frau stand ihm täglich zur Seite.

"Über seinem Spitalsbett hingen Zeichnungen seiner fünfjährigen Enkelin Sophie. Sie und ihre einjährige Schwester Beatrice waren Licht in seinem zu Ende gehenden Leben", sagt sein Schwager Herwig Sturm, der Altbischof der evangelischen Kirche Österreichs. Er erlebte Manfred Rotter als "Gentleman mit viel Rücksicht auf sein Gegenüber". Faszinierend findet er das immer Frieden stiftende Bemühen seines Schwagers, das in vielen seiner Artikel zu erkennen war. Manfred Rotters Formulierungen waren immer gut verständlich. Vielleicht haben sie ihren Grund in einem früheren Nebenjob des jungen Juristen bei der Radiogesellschaft BBC in London.

Von dort fuhr er vor 50 Jahren heim zu einem Familienfest nach Wien, das seine Eltern mit langjährigen Freunden gaben. Bei diesem Fest verliebte sich Manfred in Christine, die Tochter der Freunde seiner Eltern. Sie war gerade auf Urlaub von ihrem Job im Spitzenhotel Waldorf Astoria in New York.

"Heuer hätten wir goldene Hochzeit gefeiert", trauert Christine. Im Urlaub ging es oft zu Freunden an die italienische Riviera. "Wir fuhren fast alles mit der Bahn, Papa hat das Autofahren nicht besonders gemocht. Nur zu unserem Sommerhaus in St. Georgen im Attergau setzte er sich ans Steuer", sagt Sohn Raphael, heute Oberarzt der Urologie an der Linzer Uni-Klinik. Seiner Familie war er ein "liebevoller und warmherziger, durchaus auch humorvoller Vater". Sein Arbeitszimmer entsprach dem eines Professors: "Ziemlich chaotisch", wie sich Sohn Raphael erinnert.

Außerhalb seiner Lehre engagierte sich Rotter in der SPÖ, wo er als Berater der Kanzler Vranitzky und Klima gefragt war. Auch als er als Professor offiziell in Pension war, blieb er in seinem Facht auf dem Laufenden und hielt Lehrveranstaltungen ab. Manfred Rotter wurde in der Pfarrkirche von St. Georgen im Attergau verabschiedet.