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09.07.2019
Nachruf auf Karl Pichler (1938) von Karin Schütze, OÖNachrichten

Ein Künstler der Reduktion

Weniger ist mehr" war sein Credo, das sich in vielen seiner Werke widerspiegelte, etwa in seinen Porträts von Joe Zawinul oder von Dave Brubeck. "Sobald die Ähnlichkeit da ist, höre ich auf", verriet Karl Pichler.

Menschen, aber auch Landschaften und die Natur hatten es dem Maler und Grafiker angetan. Die Ruhe für seine Kunst fand er in seinem Atelier im Keller von Schloss Ottensheim, das er seit 1989 mit zwei weiteren Familien sein Zuhause nannte: "Die alten Mauern beruhigen mich."

Geboren in Ottnang am Hausruck besuchte Karl Pichler die Kunstgewerbeschule Linz und richtete sich ab 1960 ein eigenes Atelier für Gebrauchsgrafik ein. Zugleich etablierte er sich als Art-Direktor und Gesellschafter der Linzer "Kontakt - Werbeagentur". Legendär sind seine rund 1000 Brillenmodelle, die er für renommierte Marken wie Viennaline und Dunhill entwarf. Eines seiner für Dior entworfenen Modelle ziert das Gesicht von Lady Gaga. Ein Design sei gelungen, "wenn die Form stimmt und die Zweckmäßigkeit erfüllt wird". Das galt auch für seine Ski-Modelle für Atomic und viele Bierflaschen und Etiketten für die Brau-Union. Sein persönliches Wellness-Getränk: Bier mit einem Schuss Grüntee. Sein künstlerisches Schaffen krönen die Kulturmedaille der Stadt Linz (2005) und des Landes (2008) sowie unzählige Ausstellungen. Wenn er nicht gerade malte oder an einem neuen Design tüftelte, zog es ihn auf den Golfplatz oder aber auf das Segelboot.

Sein privates Glück fand Karl Pichler bei seiner dänischen Gattin Aase und dem gemeinsamen Sohn Jens. Am 29. Juni verstarb er im 81. Lebensjahr im Kreis seiner Familie auf Schloss Ottensheim.