Trauerfall melden
16.04.2019
Nachruf auf Maria Anderst (1942) von Bert Brandstetter, OÖNachrichten

Maria Anderst: Gut behütet durchs Leben

Wer Maria Anderst begegnete, musste sich viel Zeit nehmen. Die immer modisch bekleidete Dame liebte die Konversation. In ihrem Hutsalon in der Linzer Herrenstraße, aber auch beim Einkaufen, im Kaffeehaus oder beim Arzt.

Sie sprach liebend gerne über ihre Erlebnisse: das gute Essen, ihre Kreuzfahrten und Reisen, natürlich auch über ihre neuesten Hut-Kreationen. Und sie gab gerne Tipps. So wissen die Ordinationshilfen ihrer Ärztin schon lange, welcher Hut ihnen am besten stehen würde. "Nur über ihr Leben, also darüber, wie es ihr wirklich ging, wussten wir nichts", sagt Neffe Erwin Marandiuk. "Meine Tante war oder gab sich immer fröhlich, auch als sie schon sehr krank war."

Geboren wurde Maria in Asten. Nach der Schule ging es für sie gleich dorthin, wo sie bis zu ihrem Lebensende bleiben sollte: zur Hutmode. Bei Relli Buxbaum fand sie in der Linzer Herrenstraße eine ideale Lehrmeisterin, der sie 1978 als Chefin des Salons nachfolgte. Bei vielen Modeschauen war sie mit ihren Modellen präsent, sogar beim legendären Pferderennen im britischen Ascot waren ihre Hüte zu sehen. Privat fand sie ihr Glück schon 1967 bei ihrem Gatten Rudolf, mit dem zusammen sie in Langholzfeld ein Haus baute.

Vor zehn Jahren wurde Maria Anderst Witwe. Ihr Neffe Erwin Marandiuk bewundert an seiner Tante, wie sie trotz der Trauer ihr weiteres Leben in Würde und Fröhlichkeit beschritt. Sie frönte ihrer Leidenschaft für Reisen. Als legendär bezeichnet der Neffe die Verwandtenbesuche von Tante Maria, die stets ausgefallene Panamahüte als Geschenke mitbrachte. Alles müsse "colore" haben, scheint ihr Lebensmotto gewesen zu sein.

Weil Maria Anderst kinderlos war und der Beruf der Hutmacher kaum noch nachgefragt wird, wird der Salon in der Herrenstraße geschlossen und ein Stück Linzer Stadtgeschichte werden. Das Requiem für Maria Anderst wurde im Linzer Mariendom gefeiert.